Diät: das trickreiche Gehirn
- Katrin Reichelt

- 15. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Du willst abnehmen. Du hast die Nase voll von Kurven an unerwünschten Stellen. Diesmal ziehst du es durch.
"Aha", denkt dein Gehirn, bevor du den Gedanken auch nur zu Ende geführt hast, "ich muss umschalten, damit ich mehr aus weniger Kalorien mache und alles, was rein kommt, optimal nutze." Und damit sind in der Regel die Weichen gestellt für den so gefürchteten JoJo-Effekt, bevor du überhaupt weißt, ob du Zucker weg lässt, Getreide streichst oder eiweißreiche Fisch-Diät versuchst. 2 Kilo runter, 3 wieder drauf.
Wie dein Gehirn Diäten überlistet
Als ich heute Morgen mein Interview mit Dr. Achim Peters, (> Achim Peters, Universitäts-Klinik Schleswog Holstein, Professor für Innere Medizin und angesehener Adipositas-Experte)und Autor von "The Selfish Brain") nachlas, kam mir zum ersten Mal folgender Gedanke:
Was, wenn dieses selbstsüchtige Gehirn, wie Peters es nennt, nicht nur wie bei jeder anderen Diät, sondern auch bei der glutenfreien allein bei der Aussicht auf Entzug von Backwaren sofort auf MANGELLAGE umschaltet?
Was, wenn es die ganze Panik des Entzuges, – dass wir nun mit Zöliakie nie wieder Weizen und nie wieder die Brötchen, das Brot, die Pizza, den Kuchen, die Kekse, die Pasta essen dürfen –, sofort in die doppelte Nutzung von (nun) glutenfreien Kalorien verwandelt? Selbst dann, wenn wir genauso viele Backwaren essen wie zuvor?
Was, wenn das Gefühl des Entzuges, die gedachte Diät, der assoziierte Mangel der Grund wäre, dass viele mit einer Brot- und Gebäck-lastigen, glutenfreien Diät über nie gekannte Gewichtszunahme klagen?
Was, wenn das Gehirn in seinem allgegenwärtigen Bestreben, aus unserer Nahrungszufuhr das Maximum rauszuholen, auch bei glutenfrei nicht haltmacht, sobald es Entzug von Getreide auch nur wittert?
Und wenn dem so wäre: Was kannst du dagegen tun?

Nicht Diät, sondern Lebensart.
Es ist ein Spagat des Geistes, dein Gehirn, deinen Stoffwechsel und dein Hormonsystem davon zu überzeugen, dass es sich bei deiner neuen Ernährungsweise nicht um Entzug, sondern lediglich um Umstimmung handelt. Dass überall dort, wo etwas Vertrautes wegfällt, etwas Neues hinzugefügt wird. Dass es kein Sparprogramm gibt, sondern stattdessen ein Erneuerungsprogramm für deinen Darm. "Weniger" ist nicht Teil deiner Diät, sondern stattdessen "anders".
Aus heutiger Sicht, dank der wir wissen, dass Gehirn und Darm eine reziproke Einheit bilden, die in pausenlosem Austausch miteinander steht und von Hormonen gesteuert wird, sind wir diesen Mächten nicht mehr hilflos ausgeliefert. Wir haben die Chance, den Unterschied zu erkennen.
Der Gedanke ist neu, voller Möglichkeiten. Es geht darum, unserem Körper, unserem Geist und unserer Seele zu vermitteln, dass wir selbst dafür sorgen, dass von allem genug da ist, hier heute, morgen. Kein Grund also, Vorsorgliche Fettpolster für Notzeiten anzulegen. Das gilt vom Prinzip her für jede Diät. Aber noch viel mehr dann, wenn Glutenfrei die Bühne unseres Lebens betritt.




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