top of page
Katinka Reichelt

Katinka Reichelt

DIE GESCHICHTE DER FLOUR REBELS

 

Das Jahr 2001 war für die ganze Welt ein Schicksalsjahr. Auch für mich. Nach Diagnosen wie  "Sie bilden sich das alles nur ein" oder "Nehmen Sie Drogen?" erfuhr ich mit 19 schließlich, dass ich Zöliakie habe. Zu der Zeit gaben Ärzte noch ahnungslose Ratschläge wie diesen: "Essen Sie lieber Roggen statt Weizen."  

 

English Flag.png

Zwei Tage nach 9/11 bin ich nach Dubai ausgewandert. Niemand flog in meine Richtung. Ich hatte nicht die geringste Vorstellung, was ich in meinem Traumland eigentlich machen wollte.  Kein Zeichen am Himmel, dass die Fäden eines Tages in meiner glutenfreien Gourmet-Bäckerei zusammenlaufen würden.

Wenn man einen Weg vor sich hat, scheint vieles nicht wirklich Sinn zu ergeben. Wenn  man zurück schaut, erkennt man, dass kein Augenblick vergeudet war. Steve Jobs nannte das "connecting the dots". Er sagte auch, dass das Schlimmste, was ihm je passiert ist, sich letztendlich als das Beste herausstellte.

GF Brötchen
GF Seelenfutter
GF Pizza
GF Gesundheit
GF Granola
GF Brot
GF Weihnachtsbäckerei
GF Kuchen

Die Punkte verbinden

In Dubai wie auch im Rest der Welt wussten Menschen so gut wie nichts über Zöliakie. Oder über eine glutenfreie Diät, die lebensnotwendig ist. Entsprechend taumelte ich auf eine Katastrophe zu, die mich fast das Leben kosten sollte. Wenn man zwei Jahrzehnte Symptome hat, erscheinen sie einem irgendwann normal. Das ist die Crux nahezu aller glutensensitiven Menschen.

 

Ich jobbte in einer Eventagentur, bis meine Mutter 2003 einen Artikel über die Emirates Academy of Hospitality Management in einer Zeitung entdeckte. Sie rief mich sofort an und setzte mein Herz in Flammen! Die Uni gilt als eine der besten Hotelfachschulen der Welt. Ich raste in meinem Smart nach Jumeirah. Ich weinte auf dem Rückweg, weil ich so sehr dort studieren wollte. Sie nahmen mich an. Noch heute, ein gutes Jahrzehnt nach meinem Abschluss als zweitbeste Studentin meines Jahrgangs, bekomme ich Herzklopfen, wenn ich auf den Campus fahre. So gut war die Zeit!

 

Dort traf ich meinen Lehrer und Mentor, Chef Michael Kitts, dem ich meine Leidenschaft für Culinary Art und so vieles mehr verdanke. Sein Lieblingsspruch: "Wer immer nur Ecken abschneidet, rennt irgendwann nur noch im Kreis."

Dubai

Unter seinen Fittichen eröffneten wir in der märchenhaften, Galerie-umschlossenen Eingangshalle der Uni zum Abschluss unseres Studiums für eine Woche ein Restaurant – mit einem Budget von 150 Dollar. Wir schafften es mit einer ausgefeilten Menü- und Marketingstrategie, dass es 14 Tage vor Eröffnung bereits komplett ausgebucht war.  Als wir unsere Tore wieder schlossen, wusste ich: Das wollte ich – mein eigenes Gourmet-Restaurant!

 

Ein Jahr nach meinem Abschluss brach meine Wirbelsäule. Die Zöliakie hatte sie über Jahre schleichend zerstört. Ich war 25. Und mein Traum von einer Karriere in Culinary Arts, von einem Restaurant geschweige denn von einer Bäckerei, schien ausgeträumt.

Es dauerte zwei Jahre, bis ich ohne Krücken gehen, wieder Auto fahren konnte. 

 

Es wurde klar, dass nur eine komplett glutenfreie Ernährung das retten konnte, was von meiner Gesundheit noch übrig war. Noch immer kannten wir keinen Arzt, der sich wirklich damit auskannte. Sie erwähnten noch nicht einmal den Zusammenhang zwischen Zöliakie und Osteoprose. Wir lasen jede Zeile, die wir finden konnten, unter anderem diese: Unter einer glutenfreien Diät wird die Knochensubstanz wieder aufgebaut. 

Doch in Dubai gab es so gut wie nichts an glutenfreien Backwaren. Stattdessen schleppten meine Eltern Koffer voller Brote und Brötchen von Hamburg zu mir. Es ist kein Zufall, dass kleine GF Bäckereien und Restaurants so oft Familienunternehmen sind. Jeder in der Familie weiß, was es bedeutet, einen Fehler zu machen. Niemand schneidet die Ecken ab, von denen Mr. Kitts im Studium sprach. Alle gehen die Extrameile, die es braucht, um Schaden zu verhüten.  

Yuri Bizgaimer-Fotolia.com _10446296_L.jpg

Mehle,
mit denen Du backen kannst wie wir – ganz entspannt, super easy, mega lecker!

Erst in diesem Augenblick, als sie für immer von meinem Speiseplan verschwand,  habe ich realisiert, wie sehr ich die herkömmliche Bäckerei, wie ich sie kannte und liebte, vermissen würde. Denn das GF Angebot vor Ort war ausnahmslos ein schnöder Ersatz.
Ich aß sie, weil ich nicht anders konnte. Ich aß sie, selbst wenn es mich schüttelte. Und als ich mich fertig geschüttelt hatte, eröffnete ich den ersten Online Store in Dubai für die wenigstens einigermaßen essbaren, glutenfreien Produkte.

 

Sie kamen nie pünktlich genug, um unsere explosionsartig wachsende Kundschaft zu versorgen. Also begann ich, selbst zu backen, der Not gehorchend. Ich wollte nicht, dass irgendjemand je das durchmachen musste, was ich erlebt hatte – schon gar nicht Kinder!

Hamburg

Der Grundstein für unser Familienunternehmen

Mein erstes Brot, ein Toastbrot, in dem statt Weizen so gesunde Zutaten wie GMO-freies Mais- und Kartoffelmehl, Leinsamen und Hirse zu finden waren, wurde über Nacht zum Bestseller. Einer der besten Pastry-Chefs der Jumeirah Hotelgruppe, hat einmal zu mir gesagt: "Dein größer Vorteil ist, dass du nie professionell mit Weizen gebacken hast. Deine Sicht ist nicht versperrt durch frühere Erfahrungen. Alles ist möglich." Für diesen Satz bin ich ihm bis heute dankbar. Anfängergeist!

Es dauerte nicht lange, und ich wachte nachts auf von den Rezepten, die durch mein Gehirn schwirrten. Ich wachte nicht nur auf… ich stand auf, um sie um drei Uhr morgens zu backen. 50 Rezepte, hundert. 150. Das größte Sortiment an Broten weltweit. Viele davon nicht nur ohne Gluten, sondern auch ohne Laktose und Eizusatz. Das köstlichste Gebäck. Alles, was ich je vermisst hatte. Nur viel, viel besser.

Baguette gemischt IMG_2123.jpg

Ich eröffnete schließlich meine eigene, professionelle Bäckerei: The Treat Café & Bakery. Trendige Cafés, 5-Sterne-Hotels, Luxusrestaurants, Fitnessstudios und Airlines rannten uns die Bude ein. Kunden kamen aus dem Oman, Kuweit, Jordanien, Libanon, Nordafrika nach Dubai – nur, um unsere Produkte zu kaufen.

IMG_9528.jpeg

Nach 15 Jahren Schicksalsschleife haben wir im Jahr 2016 in Deutschland die FLOUR REBELS als Familienunternehmen gegründet – unsere einzigartige glutenfreie Manufaktur Der Kreis hatte sich geschlossen. Dachten wir.

Nichts deutete darauf hin, wie grundlegend sich das Sozialleben, die Wirtschaft in Deutschland verändern würden, die Energiepreise,; wie die Inflation Rohstoff-, Miet- und Transportpreise in schwindelnde Höhen treiben würde. Von Corona ganz abgesehen, das unser Unternehmen dank Euch wie durch ein Wunder überstand,. Doch dann…

KReichelt_edited.jpg

Katrin Reichelt, CEO

Rahul Chaudhary, Produktionsmanager

Image by Kent Tupas

Riyadh

Hamburg, Dubai, Quickborn, Riyadh…

Während 2016 Startups wie Pilze aus dem Boden schossen, verschwinden in Deutschland nun Unternehmen zu Hunderttausenden. Und das Schicksal schubste auch uns auf die nächste große Reise: Unser einfach wunderbarer Vermieter starb. Die Gebäude, in der auch unsere Manufaktur zuhause ist, wurden verkauft. Und nun werden sie 2026 abgerissen. Alle Versuche, etwas Neues, Größeres zu finden, scheiterten an der nicht bezwingbaren und berüchtigten, deutschen Bürokratie.

 

SCHICKSALSFÄDEN

Gleichzeitig wurde ein Unternehmen in Riyadh auf uns aufmerksam, das sich auf Spezialnahrung bei Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen insbesondere bei Kindern spezialisiert hat – unter anderem auch auf Glutenunverrträglichkeit. In der Metropole zwischen Tradition und Moderne entsteht gerade ein gigantischer Sog, hoch spezialisierte Unternehmen wie unseres in ihr Wirtschaftskonzept einzubinden. Mitten in der Nacht landete ich erneut im Mittleren Osten… diesmal mit meinen beiden Mini Rebels., um für Menschen mit Zöliakie Produkte zu entwickeln und zu produzieren,. Dort werden sie über das Gesundheitsministerium kostenlos an Kliniken verteilt.. Was eigentlich nur für acht Wochen geplant war, nahm immer mehr Fahrt auf, Es ist eine Herkules-Aufgabe. Und da stehen wir jetzt!

Denkt nicht, wir würden Euch auch nur einen Augenblick vergessen. Wir planen schon die nächsten Schritte und hoffen, dass wir den Weg gemeinsam weiter gehen können. Next level.

Lies hier, was geschah…

Lies mehr über glutenfreie LEBENSART  

Sierra Life.png
bottom of page