Brokkoli adé…
- Katrin Reichelt

- vor 3 Tagen
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Ich bin dann jetzt durch mit Brokkoli. Und auch mit Blumenkohl. Selbst mit den fancy Sorten.
Nachdem die Kiddies und ich an einem ca. 30 Meter langen Buffet vorbei geschlendert sind, wiegt der Küchenchef bedenklich den Kopf und empfiehlt, dass wir unter keinen Umständen irgendetwas davon essen sollen… "Sie wissen schon, wegen der Kreuzkontamination"… . Er schlägt stattdessen gedünsteten Brokkoli vor. Für mich mit Fisch, für die Kinder mit Pommes.
Da hilft auch Matteos Ninja-Stirnband nicht weiter.
Nichts gegen Dorade. Aber nach dem 32. Mal frage ich mich langsam, ob es seit den 50ern, als Dr. Willem Karel Dicke in Holland die Zöliakie identifizierte, auch in der Gastronomie irgendwie weitergegangen ist. Offenbar nicht.
KOMPLETT FALSCHES PARADIGMA
Für mich ist das, was die deutsche Küche (und leider nicht nur die!) aus Zöliakie heraus holt, so angestaubt wie die bröseligen Backprodukte, mit denen wir uns weiterhin abfinden sollen. Weizen ist so tief in die deutsche Seele eingedrungen wie Currywurst. Die Fantasie, was das Kochen und Backen so angeht, will da einfach nicht vom Boden abheben.

Neben einem Eldorado internationaler Fünf-Sterne-Brotkunst wartet nach den Brokkoli vom Vorabend am nächsten Morgen ein. eingeschweißtes Brötchen, klein und knubbelig in der Tüte erwärmt, was für sich gesehen schon knallgesund klingt. Ähnlich wie Tütensuppe.
"DIE WISSENSCHAFT". Again.
Die Wissenschaft warnt indes vor Mangelerscheinungen, wenn wir ohne Zöliakie-Not dem Weizen abschwören – und vergisst dabei die Fakten:
1. Nur Vollkorngetreide und auch nur Bio enthält die beschworenen Mikronährstoffe. Die genmanipulierten Auszugsmehle, bei denen jeder Hauch Gesundheit sorgfältig entfernt oder durch Pestizide in den Orbit geblasen wurde, sind zwar billig, aber einfach nur Schrott. 2. Jede(r) zweite Deutsche, so die aktuelle Nachrichtenlage, leidet inzwischen unter Übergewicht, Wir treten damit in die Fußstapfen der USA, die weltmarktführend sind bei Adipositas und (Prä-)Diabetes und allen anderen Stoffwechselstörungen, die kein Mensch braucht. Nur 9 Prozent der Deutschen essen tatsächlich ausreichend Vollkorn. Diesseits und jenseits des großen Teiches dient Weißmehl und viel zu viel Zucker als Brandbeschleuniger. Und ruiniert gerade auch die Gesundheit unserer Kinder! 3. Glutenfreie Mehle – Hirse, Braunhirse, Buchweizen, Kicherebsen- oder Kokosmehl, Leinsamen, Quinoa, Reisvollkornmehl, Teff- und dazu auch noch Mandel- oder andere Nussmehle sind allesamt unbehandelt und randvoll mit all den kostbaren Nährstoffen, die beim Weizen lediglich als theoretisches Konzept beschworen werden. Also weit und breit kein Grund, sie schlecht zu machen!
Was genau läuft hier eigentlich? Dass wir immer weiter mit Weißmehlbrötchen und Mehlschwitzen und Elastizität versprechendem Gluten das Übergewicht befeuern? Wem dient es, weiter eisern zu behaupten, nur Weizen wäre gesund? Außer, sorry to say, denen, die anschließend Diabetes-Medikamente, Ozempic, Blutdruckpillen und Cholesterinsenker verkaufen?

Während sich in den letzten Jahren die Kulinarik im KI-Tempo weiterentwickelt hat, treten wir, was den Gebrauch von Weizenmehl immer und überall angeht, weiterhin auf der Stelle. Irgendwie gelingt es den Küchenchefs immer, irgendwo noch mal einen Hauch von Weizenmehl reinzuschmuggeln.
Das Ärgerliche daran ist, dass man nahezu jedes Gericht auch ohne das "weiße Gold" zubereiten könnte. Ich weiß das, du weißt das. Warum ringt man dann im Restaurant weiterhin wahlweise mit 50er-Jahre-Küche oder mit Brokkoli und Kreuzkontamination? Wenn es doch frischer, knackiger, leichter, geschmacksintensiver, bunter, gesünder und Figur freundlicher geht… wenn man denn einfach mal das blöde Weizenmehl weg ließe?
Wir, und damit meine ich keineswegs nur "wir Zölis", sondern wir Menschen, hängen am langen Arm der Trägheit, die keine Veränderung will. "Das haben wir schon immer so gemacht", lässt "die Küche" ausrichten, oder wahlweise " das haben wir noch nie so gemacht". Case closed.
Weizenmehl sei billig und geschmacksneutral. Klingt köstlich. Und nachdem der Gluteneiweißgehalt erst künstlich im Labor aufgeblasen wurde, wird er nun gentechnisch wieder reduziert. Wer würde da nein sagen wollen? Außer mir?




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