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Postpartale Depression

Gefangen im Grau der Seele

Image by Zach Lucero

Da ist dieses Baby, das alle so gern halten möchten. Da ist diese Freude, die einfach nicht anspringen will. Da ist dieses überwältigende Verlangen, einfach nur in Ruhe gelassen zu werden. Da ist einfach nichts von den Emotionen, die doch alle versprochen hatten. Stattdessen nur Grau. Gefühle wie nasse Zündkerzen. Nur Leere. Unaussprechlich.

Manchmal beginnt es schon in der Schwangerschaft, bei jeder achten bis zehnten werdenden Mutter. Oder nach der Geburt: Was sich hinter dieser sogenannten postpartalen Depression verbirgt, ist – so ExpertInnen – ein Mix aus hormoneller Achterbahn und zu wenig Schlaf, allzu oft brandbeschleunigt durch einen Mangel an sozialer Unterstützung und Isolation. Das Ergebnis ist das Gefühl, vollkommen die Kontrolle über das eigene Leben verloren zu haben… ohne Chance auf Regeneration.

10 bis 15 % aller Mütter erkranken im ersten Jahr daran, bei gleichzeitig hoher Dunkelziffer, weil so viele Frauen nach der Geburt aus Scham schweigen. Anders, als die berüchtigten "Heultage" gleich nach der Geburt, die schnell wieder vergehen, verdichtet sich die Dunkelheit der Seele eher noch mehr. 

Image by Inkredo Designer

Auf der ganzen Welt zählt Schlafentzug, oder in der Nacht unregelmäßig aufgeweckt zu werden, zu den quälendsten Foltermethoden. Und so fühlt es sich für junge Mütter auch oft an. Die Folgen: Die Nerven liegen nach wenigen Wochen komplett blank. Übermüdung, Ungeduld, Erschöpfung: Sie rufen Scham, Schuldgefühle und Zweifel auf den Plan, ob mit den eigenen, mütterlichen Gefühlen etwas nicht stimmt. Doch, alles stimmt. Überwältigende Liebe ist ebenso real wie überwältigende Erschöpfung bis hin zu vollkommener Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Kind. Sie existieren unter Umständen gleichzeitig. Sie wechseln sich ab. Oder sie können sich zuzeiten in jede Richtung überlagern. 

ZÖLIAKIE & GEBURT: EINFALLSTOR FÜR DEPRESSIONEN

Wenn Du Zöliakie hast, kann unter Umständen ein weiterer Faktor hinzukommen: Depressionen sind  mit einer Häufigkeit von etwa 10% eine nicht seltene Begleiterscheinung dieser Autoimmunerkrankung! Ebenso wie Probleme, überhaupt schwanger zu werden, wiederholte Fehlgeburten, Frühgeburten und  ein verzögertes Wachstum des Babys im Mutterleib bedeuten. Denn die chronische Darmentzündung kann sowohl die Bildung, als auch die Aufnahme von essenziellen Nähr- und Botenstoffen behindern, die Glücksgefühle, Antrieb und Stimmung steuern. Ängste, innere Unruhe und Brainfog sind die Folge. Verantwortlich dafür ist die ungenügende, körpereigene Verwertung von B-Vitaminen, aber auch von Eisen, Folsäure und Vitamin D3.

Eine konsequente Diät hilft Dir, Dich selbst gut mit Nährstoffen zu versorgen, Dein Baby zu beschützen und die Schwangerschaft aufrecht zu erhalten. Bei dem erhöhten Fehlgeburtsrisiko stellen sich logischer Weise schneller Ängste vor Diätfehlern ein. Sprich auf jeden Fall Deine Frauenärztin oder -arzt darauf an, wenn Du mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen hast, damit sich möglichst keine Kettenreaktion daraus entwickelt.

Zudem beeinflusst Deine Nahrung Deine Stimmung ganz erheblich. Hol Dir hier Dein Stück vom Glück.

Image by Corina Rainer

Gute Ratschläge: Trenn die Spreu vom Weizen

Matt Walsh, US-Journalist, Podcaster (über alles, was aus seiner Sicht eine Frau ist) und (wie er glaubt) Komiker, verstieg sich zu der Behauptung, er habe auf Grund seiner sechs Kinder genug Erfahrung, um festzustellen, dass die von Depressionen betroffenen Mütter es einfach nicht ertragen könnten, wenn sich nicht alles um sie drehe. Ich erwähne ihn deshalb, weil er mit seinen ebenso steilen wie nichts ahnenden Thesen genau der Würgegriff an der Kehle der postpartum Depression ist, der Frauen mit Scham überzieht und ihre Stimme erstickt. Höre auf NICHTS dergleichen!

Höre stattdessen auf Frauen, die geboren haben.

 

EINSAMKEIT & PERFEKTIONISMUS: Die Frauen in Deiner Familie. Deine Freundinnen. Sie sind starke Stützen! Der Weg führt rückwärts aus der Einbahnstraße, an deren Ende Einsamkeit, Isolation und keine Wendemöglichkeit zu stehen scheinen. Die körperliche Anstrengung ohne die seelische, intellektuelle Inspiration nivelliert sich viel schneller, wenn Du Frauen mit ähnlicher Erfahrung triffst.

SCHALDEFIZITE & ERSCHÖPFUNG: Im Zentrum der Depression steht der Schlafmangel, den Du nur durch feste Schlafzeiten für Dich ausgleichen kannst. UND ZWAR OHNE DASS DU GEWECKT WIRST! Dabei kann Dir der Vater Eures Kindes nachts helfen, in dem ihr wenigstens einen Tag pro Woche festlegt, an dem er das Baby versorgt. Und für bestimmte Tageszeiten helfen Dir Großmütter, Tanten, Schwestern, Freundinnen. Zu wissen, dass Du zwei Nachmittage die Woche 1 der 2 Stunden Mittagsschlaf machen kannst: Das macht einen riesiger Unterschied.

HORMONE: Die Achterbahn, die nach der Geburt mit Dir fährt, wohin sie will. HIER findest Du Hilfsangebote und für Dich maßgeschneiderte Homöopathie, die Dich stärkt und Deinem Baby nicht schadet!

PARTNERSCHAFT: "Andere Frauen kriegen das auch hin". Ein Satz so tödlich für die Beziehung wie ein Fallbeil. Oder dieser, während der Partner in den wenigen Momenten, wo Du theoretisch einschlafen könntest, neben Dir zu schnarchen anfängt: "Frauen sind biologisch darauf ausgerichtet, nachts für ihre Babys aufzustehen".  Wenn Schwangerschaft und Geburt eines mit Sicherheit bedeuten, dann die Ankunft in der Realität eines Gefühlslebens, von dem man zuvor nichts ahnte.

Getrennte Schlafzimmer können unter solchen Umständen für eine gewisse Zeit eine hervorragende Idee sein – wenn Ihr BEIDE die Chance auf ungestörte Ruhe in fairen Absprachen nutzt.

HILFSANGEBOTE: Deine Hebamme, eine Mütterpflegerin oder eine Haushaltshilfe werden von der Krankenkasse bezahlt. Sie können Dich unterstützen… sobald Du sie lässt!

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