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Wearabale: Lernen, dir selbst zu glauben

Girl Time in Riyadh

Der Game Changer war für mich ein Fitness-Armband. Ein sogenanntes Wearable, das mir genau das zeigt, was ich tatsächlich tue, nicht tue, fühle, nicht fühle. Die bunten Zahlen und Zacken und Kurven auf dem Display erzählen mir, ob etwas weh tut. Ob ich gut oder schlecht geschlafen habe. Wie hoch mein Stresslevel gerade ist, wie lang meine Erholungszeit, wie viele Schritte ich gelaufen bin; wie viel Sport ich getrieben habe, ob ich gut gegessen und genug getrunken habe; wie es um mein Herz steht und was ein Glas Wein im Körper anrichtet, zumindest in meinem. Oder, wenn die Kinder krank werden.

Und: dass ich nach neun Monaten mit diesem new best friend mein biologisches Alter um neun Jahre zurückgedreht habe. Und den Zeiger auf meiner Waage um 20 kg.



YAY.


Das ist eine Menge für jemanden, der sich, glaubte ich meinen ÄrztInnen, alles nur einbildet. Ich weiß nicht, wie es euch ergangen ist auf der Suche nach einer Erklärung für all die unterschiedlichen Symptome von Zöliakie. Oder, noch komplizierter: von Gluten-Unverträglichkeit. Sie zogen in meinem Körper umher wie eine Karawane des Grauens. Sie zauberten Jahrzehnte lang Kilos auf meine Hüften, die sich standhaft weigerten, wieder zu verschwinden. Sie zerschossen nahezu alle Hoffnungen auf einen lustigen Abend mit Freunden, sobald es etwas zu essen gab. Ich weiß nicht, wie es DIR erging! Als du noch nicht wusstest, dass du Zöliakie hast. Als du zum 12.ten oder auch zwanzigsten Mal nach einer Untersuchung bei einem Spezialisten am Ende gehört hast: "Das bilden Sie sich wahrscheinlich nur ein".

Ich habe schließlich so sehr daran geglaubt, dass ich mir alles nur einbilde, dass ich selbst, als meine Wirbelsäule schließlich durchbrach, immer noch überzeugt war, dass alles nur Einbildung ist. Es ist keineswegs leicht, nicht verrückt dabei zu werden.



Es vergingen noch einmal 20 Jahre und mindestens ebenso viele Diäten, – abgesehen von der glutenfreien natürlich – , bis ich auf diese kleine Zaubermaschine stieß, die mir genau zeigt, wie es mir gerade geht und scheinbar sämtliche Gedanken in meinem Kopf, meinem Herzen und meinem Stoffwechsel liest. Sogar im Schlaf.

Wenn ich dazu beitragen kann, diesen Prozess für euch abzukürzen, hat sich allein deshalb dieser Blog gelohnt.



Das Gleichgewicht wiederfinden.


Wenn das Band an meinem Handgelenk eines bewirkt hat, außer täglichen Motivationsschüben, dann ist es die Rückkehr meiner Fähigkeit, mir wieder selbst zu glauben. Bei dem zu bleiben, was ich spüre, statt mich auf "Da-ist-nix"-Laborwerte zu verlassen. Das ist mit einer nicht diagnostizierten oder unwillig abgewimmelten Zöliakie – und auch bei anderen unerkannten Nahrungsintoleranzen – nahezu unmöglich.

Ich lerne, meiner Intuition wieder zu vertrauen, – auch bei meinen Kindern! –, die mich eher zu oft als zu selten über das Tagesgeschehen auf dem Laufenden hält.

Ganz allmählich wird es leichter, nach dem zu leben, was mir gut tut, und den Lohn kann ich an meinem Handgelenk ablesen. So gut es geht, zu vermeiden, was mir nicht gut tut,– denn auch das zeigt sich sonst unerbittlich in hektischen Zacken. Ich schaue auf das Display, das ganz einfach den Status quo abbildet: ohne Erwartungshaltung, ohne etwas zu bewerten; das mir selbst überlässt, was ich daraus mache,


Mein Körper und ich werden ganz allmählich wieder eins. Ein Glück, auf das ich so lange gewartet habe!







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