top of page

Am Außenrand des Spielfeldes

Kinder mit Zöliakie werden oft ausgeschlossen

Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft DZG reicht gerade eine Petition beim Bundestag ein, dass Menschen mit dieser Form der Glutenunverträglichkeit a. endlich wahrgenommen und b. im öffentlichen Raum anständig mit Essen versorgt werden.


Es wird allerhöchste Zeit. Während andere Länder das längst in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Schulen, Kliniken und Seniorenheimen umsetzen, und manche Länder wie Schweden oder Italien auch in Hotels und Restaurants, laufen Zöli-Kinder und -Erwachsene (was für ein Wort!) in Deutschland immer weiter am Außenrand des Spielfeldes mit. Allen voran die Kleinen. Soziale Teilhabe? Denkste.


Die DZG schätzt die Gesamtzahl der von Zöliakie Betroffenen inzwischen auf 900.000. Bei der Unterschriften-Aktion sind über 120.000 zusammen gekommen!

Menschen mit Glutenintoleranz sind nicht eingerechnet, weil man sich ihre nahezu identischen Symptome medizinisch nicht erklären kann und sie in der Schublade der Modekrankheiten ablegt. Sie laufen nicht nur nicht am Spielfeldrand mit – sie dürfen gar nicht erst ins Stadion. Rein metaphorisch gesprochen.



Als wäre Ausgrenzung völlig normal


Kuchen-Buffets: Gluten überall

Es muss herrlich sein, einfach auf einen (Kinder-)Geburtstag gehen zu können, ohne vorher extra etwas zu backen, zu kochen, in Boxen einzupacken, einzuwickeln und gegen Kontamination zu schützen. Es wäre wunderbar, wenn Kinder nicht von vornherein ausgeschlossen würden, weil ihre Anwesenheit alles nur "verkompliziert". Es wäre eine Revolution, wenn unser Horizont fürs Kuchenbuffet weiter reichte als bis zum Weizenmehl.


Ich schaue Katinka und unseren Mini Rebels dabei zu, wie sie ihre kleinen Rucksäcke packen, um sich für den nächsten Kindergeburtstag mit glutenfreien Snacks zu bewaffnen. Das ist in Riyadh trotz der hervorragenden öffentlichen Versorgung auch nicht anders als überall auf der Welt. Trost sieht anders aus…


GF: ONE WORLD. ABER NICHT ONE FOOD.



Pommes und Chicken Nuggets, nichts für Zöli-Kinder

Ich wünschte, sie müssten nicht jedes Mal die knallbunten Gluten-Torten, Cupcakes, Muffins, die Pommes und Chicken Nuggets und die Eisbecher tapfer links liegen lassen und stattdessen ihre Apfelschnitzel, Chips und Melonenscheiben auspacken. Ihre Kumpels bleiben neben ihnen stehen und staunen mit großen Augen, was die beiden da aus ihren Taschen zaubern. Ich frage mich, wer wen gerade mehr beneidet.


Die Petition der DZG ist ein großer, wichtiger Schritt. Ob er Merz, Klingbeil & Co. in ihrer Weltsicht darauf, wer mitspielen oder am Tisch sitzen darf, und wer nicht, tatsächlich erreicht, steht auf einem anderen Blatt.

Auf jeden Fall ist bei dem Hochgeschwindigkeitszug "Deutsche Bürokratie" sicher schon in wenigen Jahren mit einer Entscheidung zu rechnen. Ähnlich wie bei der Deutschen Bahn, die, wenn alles glatt läuft, ab 2070 wieder pünktlich kommen soll.


Kommentare


bottom of page