
Globuli für die Seele
In der Homöopathie sind Angst und Furcht ein Bücher füllendes Thema. Und die besten Resultate erzielt man natürlich mit einer Konstitutionsbehandlung bei einem ausgewiesenen Experten. Dabei wollen gute HomöopathInnen es ganz genau wissen. Den meisten tut es sehr gut, wenn endlich mal jemand ganz genau hinhört, wenn sie versuchen, ihre Beschwerden zu beschreiben. Und idealer Weise sollte er oder sie auf dem Schirm haben, dass Zöliakie eventuell eine Ursache sein könnte.
Angst ist aus homöopathischer Sicht eben nicht gleich Angst. Der eine spürt sie in der Herzgegend, der andere im Magen und ein weiterer im Rücken. Und auch bei den auslösenden Faktoren schert die Homöopathie die Ratsuchenden nicht einfach über einen Kamm.
Wir fragten Petra Hofmann, Homöopathin und Heilpraktikerin.
Was sind denn aus Ihrer Erfahrung häufige Auslöser?
Die Fragen, die ein guter Homöopath stellt, sind u. a.: Gab es in der Vorgeschichte vielleicht eine Kummerproblematik, einen Unfall, eine Vergewaltigung? Misshandlungen, Trennungen, eine Überlastungssituation? Oder traten die Ängste nach dem Tod eines geliebten Menschen das erste Mal auf? Die Ereignisse können sehr weit zurückliegen und greifen in dem Moment in unser Leben ein, wenn sich etwas ereignet, das diesem Trauma gefühlsmäßig nahe kommt.
Wie unterscheiden sich die homöopathischen Mittel bei Angst- und Panikstörungen?
Wir beginnen am besten mit den häufigsten Mitteln, wobei man natürlich immer nach dem geht, was bei einer individuellen Patientin oder einem Patienten am besten zur Situation passt:
ARGENTUM NITRICUM: Lampenfieber, Prüfungsangst, Höhenangst, merkwürdige Ängste, Klaustrophobie (Angst in geschlossenen Räumen), setzt sich gerne in die Nähe von Notausgängen, Flugangst, Angst in einer Warteschlange, in Menschenansammlungen. Impulsive Handlungen, seltsame Impulse: "Was würde passieren, wenn ich von einer Höhe hinabspringen würde?"; Furcht ohnmächtig zu werden, die Selbstkontrolle zu verlieren, Schweißausbruch bei Angst. Strangulationsgefühl im Hals, Herzklopfen, als wolle das Herz aus der Brust springen, splitterartige Schmerzen, häufiges Aufstoßen und Blähungsabgang, braucht Süßigkeiten und Salziges (was nicht vetragen wird).
GELSEMIUM: Prüfungsangst, Lampenfieber, Beschwerden nach einer Prüfung, Blackout vor aufregenden Ereignissen. Schwächegefühl, möchte sich an jemanden festhalten oder gehalten werden. Feigheit, durch Furcht wie gelähmt, Angst in Menschenansammlungen, auf öffentlichen Plätzen, will seine Ruhe haben, Angst vorm Zahnarzt, das Kinn zittert, Schwäche und Schwere des Kopfes, der Augenlider, die Sprache bleibt vor Schreck weg, Zittern vor Schwäche, die Beschwerden bessern sich beim Urinlassen.
LYCOPODIUM: Furcht vor allem, vor Menschen, Furcht, die anderen könnten die innere Schwäche entdecken, Angst vor allem Neuem, mangelndes Selbstbewusstsein, aber kompensatorisch aufgeblasenes Ego, ebenso aufgeblähter Bauch, Verlangen nach Schokolade. Furcht zu versagen, das Ziel nicht zu erreichen, kann sich Namen schlecht merken und "verbuchselt die Wechsstaben".
Machtliebend, diktatorisch, diskutiert gerne, Angst, wenn es an der Tür klingelt, wer wohl draußen sein könnte; Furcht Verantwortung zu übernehmen und Angst vor Zusammebruch bei Belastung, nervöses Zittern, mag gerne warme Getränke und Speisen, wird zornig bei Widerspruch.
SULFUR: Gewissensangst, als hätte man etwas verbrochen, Höhenangst, Angst vor ansteckenden Krankheiten, vor Epidemien, malt sich Unheil aus; ekelt sich schnell, vor allem vor anderen unangenehmen Gerüchen; Egoist, Furcht der Familie könnte etwas passieren, Furcht vor Armut, seine Stellung zu verlieren, Furcht vor Kontrollverlust, Anerkennung ist ein wichtiges Thema, i.d.R. hitziger Typ, der viel schwitzt, diskutiert gerne, Meister des Chaos aber Perfektionist in Teilbereichen, Probleme Verantwortung zu übernehmen; Angst bei Brustsymptomen wie schwierige Atmung oder Druckgefühl auf der Brust, Angst oft mit Herzklopfen, oft trockene Hautsymptome, Wärme und Waschen verschlechtert.

WENN DIE INNERE BALANCE KIPPT
PULSATILLA: milder, weicher, zu Tränen neigender, aber auch gereizter Mensch, Angst vor Männern, oder vor dem anderen Geschlecht; Furcht, an hohen Gebäuden hinaufzuschauen, Angst vor dem Alleinsein, nicht geliebt zu werden, fühlt die Angst oft in der Magengegend, fühlt sich unwohl in überheizten vollen Räumen, möchte frische Luft trotz Frösteln, übertriebene Ängste, Furcht verlassen zu werden, Angst verrückt zu werden; vor dem, was andere über einen denken könnten. Meist Hormonprobleme, besonders die Progesteronphase in der zweiten Zyklushälfte ist gestört, Furcht vor Gespenstern, Hunden, vor Zug- oder Busfahrten.
STRAMONIUM: Angst vor der Angst, das schreckliche Gefühl, ganz alleine in der Wildnis ausgesetzt zu sein, Nachtschreck, Beschwerden durch Schreck im Allgemeinen, Furcht vor Dunkelheit, nachts muss das Licht anbleiben, Beschwerden schlimmer durch das Geräusch von fließendem Wasser, Furcht vor allem, was schwarz oder dunkel ist, Angst im Tunnel, gewalttätig, betet, Angst vor Tod, vor dem Alleingelassen werden, zerstört Dinge, wilder Blick, oft starre Gesichtszüge, macht Gebärden mit Armen und Händen.
PHOSPHORUS: Große Angst vor dem Alleinsein, Furcht vor der Dunkelheit, Furcht in einer Menschenmenge, Verlangen nach Licht und Wärme, Sonne; Angst vor Gewitter, erschrickt bei jedem Donnerschlag auf`s Neue; Furcht vor Krebs, Angst dass etwas Schlimmes passiert. Sehr mitfühlende Menschen, die auch selbst sehr viel Mitgefühl brauchen, machen sich viele Sorgen um ihre Liebsten, zappelig, verfroren, aber innerliche Hitze, Verlangen nach Eis, Cola und Schokolade, Schwindel tritt fast immer begleitend bei allen Erkrankungen auf, generelle Blutungsneigung, werden gerne massiert und gestreichelt was so gut wie jedes Symptom bessert.
ARSENICUM ALBUM: Angst mit Ruhelosigkeit und Schwäche, Eiseskälte, Verschlimmerung oft um Mitternacht und morgens, Angst beim Alleinsein, Todesangst, Gewissensangst, Furcht vor Menschen, Perfektionist, Angst vor Dieben, vor Krankheit, vergiftet zu werden, sehr verzweifelt, zittert, meint sterben zu müssen, läuft ruhelos hin und her; Angst, geliebte Menschen zu verlieren, weil es seine Sicherheit gefährden könnte; kann das Tadsch Mahal nicht genießen weil er ständig besorgt ist, jemand könnte sein Geld klauen, empfindlich gegen Unordung, alles muss perfekt sein: Haushalt, Kleidung, Auftreten; Kälte verschlimmert, Wärme bessert.
ACONITUM: Akutmittel bei allem was plötzlich und heftig ist, Todesangst, konkrete Ängste vor Erdbeben, in einer Menschenmenge, in engen Räumen; sehr nervös, erschreckt leicht, ist außer sich vor Angst und Erregung; hastige, eilige Bewegungen, Beschwerden nach Autounfall, Schreck, Schock; meist sehr fröhliche Menschen, können zwar sehr gereizt sein, beruhigen sich aber schnell wieder, wird beim Aufsetzen blass im Gesicht, welches im Liegen gerötet war; großer Durst, Schockstarre, ängstlicher Gesichtsausdruck. Oft hilfreich oft bei blau angelaufenen Neugeborenen. Aconitum sollte man immer in der Handtasche haben.
Denk nicht:
Das passiert nur mir!

JEDER MENSCH REAGIERT AUF EINZIGARTIGE WEISE
SEPIA: Furcht vor Ärzten, Angst zu verhungern, ein engen Räumen, Furcht es könnte sich etwas Schlimmes ereignen, der Familie könnte etwas passieren, Abneigung gegen Familie (!), oft Entfremdungsgefühl, "will" nicht mehr, oder "kann" nicht mehr. Sehr gereizt vor der Menstruation, "alles ist zu viel", Abneigung gegen Sex, möchte nur gehalten werden. Furcht vor schlimmer Krankheit, Angst ausgelöst durch Geräusche oder durch Augenantstrengungen.
Überforderung, Spagat zwischen Haushalt, Familie und Karriere, will alles perfekt machen, erschreckt sich leicht, meist schlimmer vor der Periode; kann nicht lange stillstehen, kräftige Bewegungen bessern alle Beschwerden.
CALCIUM CARBONICUM: Angst um die Gesundheit, vor ansteckenden Krankheiten, vor Krebs, Verzweiflung um die Genesung, besorgt, dass andere den Zustand bemerken könnten, braucht und sucht Schutz, fühlt sich beobachtet, arbeitet viel und überanstrengt sich, erschreckt leicht; Angst, die Augen zu schließen, weil dann Horrorbilder auftauchen, Angst vor Dunkelheit, vor Geisteskrankheit, vor Gespenstern, vor Gewitter, Höhenangst, Angst vor Hunden, vor Mäusen; kann die raue Welt nicht ertragen, schreckliche Geschichten brennen sich tief in die Seele ein, Gewohnheitsmensch, Verlangen nach unverdaulichen Dingen, Mammakinder, geistige Erschöpfung, schwitzt viel am Kopf, kalte feuchte Extremitäten
NATRIUM CHLORATUM: Kummermittel, Folgen von lang anhaltendem Kummer und Sorge ohne Aussicht auf Besserung, Hypochondrie, Furcht, lächerlich gemacht zu werdnen; Angst morgens beim Aufwachen, viele Herzsymptome, Perfektionist, Angst, Fehler zu machen, Höhenangst, vor Einbrechern und Räubern, besonders nachts; Furcht vor engen Räumen, dass sich etwas Schlimmes ereignen könnte, kann schlecht Gefühle ausdrücken, Furcht vor Zurückweisung in Liebesbeziehungen, kann nicht weinen oder zieht sich hierzu zurück; meist fettige Gesichthaut und fettige Haare, Platzbacken, aufgedunsene, großporige Haut, merkt sich alle Streitigkeiten, Trost verschlimmert.
IGNATIA: Angst und Furcht in Zusammenhang mit akutem Kummer, Hysterie und hysterische Ohnmacht, viel Seufzen, beißt sich leicht auf die Zunge oder in die Wange, Gefühle werden nicht gezeigt, dadurch entstehen innere Verkrampfungen, Schluckauf, Furcht vor Ärzten, vor Kleinigkeiten, Furcht geschlagen zu werden, vor Vögeln, erwartet das Schlimmste und es passiert auch das Schlimmste, Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren. Symptome treten auch oft nach Schreck auf oder wenn man sich überarbeitet hat, plötzlicher Verlust der Freude an Tätigkeiten, die man bisher immer gerne gemacht hat, hat gerne die Hände bedeckt, verkrampft innerlich, die Zwerchfellgegend fühlt sich eingezogen an. Durch die Verkrampfungen werden auftretende Körperempfindungen oft fehlinterpretiert und so entsteht die Angst.
